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Auf dieser Seite schildere ich meine Erfahrungen beim Bau meiner ersten voll funktionsfähigen Aquaponikanlage. Ich beschäftige mich seit dem Jahr 2013 mit dem Thema und möchte hier mein Wissen und meine Erfahrungen, die Guten, ebenso die Schlechten mit Dir teilen. Ich hoffe, damit Deinen Projektverlauf zu beschleunigen und Dir Fehler zu ersparen, die Dich Zeit und Geld kosten würden. 2015 war es soweit und ich startete mein Projekt. Aber was ist eigentlich Aquaponik? Da Du auf dieser Seite gelandet bist, wirst Du wahrscheinlich schon die ein oder andere Information zu diesem Thema gesammelt haben.

Aquaponik für Anfänger – was ist eine Aquaponikanlage oder, was genau ist Aquaponik?

Bei der Aquaponik kombiniert man die Aquakultur und die Hydroponik. Somit erschafft man ein in sich geschlossenes System (Aquaponic System) aus Fisch- und (Nutz-)Pflanzenzucht. Dies erreicht man, indem wir uns des Stickstoffkreislaufs (The Nitrogen Cycle) bedienen.

Aquaponic
Der natürliche Stickstoffkreislauf (Quelle: de.fotolia.com)

Stark vereinfacht dargestellt nutzen wir die Ausscheidungen der Fische, um damit unsere Pflanzen natürlich zu ernähren. Hierbei kommen uns Bakterien zu Hilfe. Diese wandeln die Fischausscheidungen von Ammoniak (NH4) über Nitrit (NO2) in das für das Pflanzenwachstum wichtige Nitrat (NO3) um. Die Wurzeln der Pflanzen filtern die für sie wichtigen Nährstoffe heraus. Das gefilterte Wasser wird wieder gesäubert in den Fischtank zurückgeführt. Bei jedem Zirkulationsprozess verdampft ein geringer Teil des im Kreislauf vorhandenen Wassers. Dies muss hin und wieder mit frischem Wasser aufgefüllt werden. Bei dieser Art des Pflanzenwachstums ist lediglich etwa 1 / 10 des Wassers notwendig, das beim konventionellen Anbau im Erdreich erforderlich ist.

Ein sonniger Standort für die Beete, den Fischtank schützt Du am Besten vor direkter Sonneneinstrahlung

Die Standortwahl für Deine Aquaponikanlage ist ein wichtiger Faktor. Die Pflanzen benötigen am Tag eine Sonneneinstrahlung von mindestens 4 – 6 Stunden, damit ein ausreichendes Wachstum erfolgen kann. Der Fischtank benötigt keinerlei Sonneneinstrahlung. Es ist am Besten, wenn er nicht im direkten Sonnenlicht aufgestellt wird. Dieser kann unter einem Beet platziert werden oder wird im Erdreich vergraben. Der Tank kann ebenfalls mit einer lichtundurchlässigen Farbe bestrichen oder einer Folie/Plane beklebt werden.

Sonneneinstrahlung beschleunigt im nährstoffreichen Wasser des Fischtanks Algenwachstum. Die Wasseroberfläche kann mit Salat oder ähnlichen Pflanzen bedeckt werden, die eine Sonneneinstrahlung verhindern. Diese können auf einer Styroporplatte eingesetzt werden, damit die Wurzeln das Wasser erreichen.

ARTE-Reportage Aquaponik – ein vorbildliches System

Aquaponic für zuhause, im Haus oder im Garten? Beides ist möglich!

Am Anfang jedes Aquaponikprojekts steht zunächst einmal die Frage: „Welcher Standort ist geeignet zur Errichtung meiner geplanten Aquaponikanlage?“ Dies kann der Garten, Keller, Balkon oder sogar die eigene Küche oder das Wohnzimmer sein. Es hängt hier natürlich auch von den Dimensionen Deiner geplanten Anlage ab. Meine Anlage, mit einem 1000l IBC-Fischtank, habe ich selbstverständlich nicht in die Küche gebaut. Dies wäre dann doch etwas zu viel des Guten gewesen. Wenn Du beispielsweise ein Aquarium nutzt, hättest Du hier schon mal die Grundlage für die Nährstoffversorgung geschaffen. Falls Du in Dein System ein Aquarium integrieren möchtest, eine Übersicht über verschiedene Aquariumstypen und wertvolle Tipps gibt es auf unserer Partnerseite beim Aquarium Kaufratgeber (klicke hier).

Möchtest Du Dein Aquaponik-Projekt ganzjährig betreiben und hast ausreichend viel Platz im Kaquaponiceller, wäre hier die feste Installation einer Anlage vorstellbar. Hierfür musst Du lediglich zusätzlich eine Beleuchtung installieren.

Diese gibt es in Form von normalen oder LED Lampen. Die LED Lampen simulieren das Farbspektrum der Sonne, was sich positiv auf das Pflanzenwachstum auswirken soll. Ich selbst habe mein System im Freien betrieben und noch keine Erfahrungen mit den verschiedenen Beleuchtungstypen gesammelt. Mehr Infos dazu findes Du hier.

In meinem Garten habe ich recht gute Bedingungen für den Bau meiner Aquaponikanlage vorgefunden. Leider habe ich erst ab dem Mittag/frühen Nachmittag die Sonne im Garten. Hier ist ein Platz, der von morgens bis abends Sonneneinstrahlung hat, optimal geeignet, um ein ideales Pflanzenwachstum zu unterstützen. Denn ja, ich habe diese Anlage nicht ausschließlich zum Spaß gebaut, sie soll mich zu einem gewissen Teil ernähren. Und ich kann euch schon jetzt versprechen, das Gemüse schmeckt unvergleichlich gut!

Aquaponikanlage
Die ersten Zuckererbsen in der Aquaponikanlage

 

Dimensionierung der Anlage

Der optimale Standort für die Aquaponikanlage ist gefunden. Nun können wir uns daran machen, die Dimensionen für die Anlage zu kalkulieren. Hier gibt es einiges zu beachten, denn die Größe des Fischtanks, sollte im Verhältnis zu dem zu bepflanzenden Filtermedium (unseren Beeten) weder zu groß, noch zu klein sein. Es kann sonst passieren, dass die Pflanzen, bei zu groß dimensionierten Beeten, zu wenig oder anders herum, bei zu wenigen oder zu klein dimensionierten Beeten, zu viele Nährstoffe erhalten. Sollten die Pflanzen nicht im Stande sein, die Nährstoffe zu filtern, wirkt sich dies schädlich auf unsere Fische aus. Bei meinem 1000l Fischtank, er war letzlich mit etwa 800 – 850 Litern Wasser gefüllt, habe ich zwei Beete, die etwa 400 Liter Wasser filtern konnten gewählt.

Es gibt verschiedenste Möglichkeiten bei der Erstellung eine Aquaponikanlage. Rohrkonstruktionen, Pflanztürme, dauerflut Beete… ich habe für mein Projekt die Ebbe und Flut Beete genutzt. Wie sah dies praktisch aus? Nun, zunächst musste ich mir zwei IBC-Tanks besorgen.

IBC-Tanks, das 1000 Liter Aquarium

Aquaponikanlage
IBC Tanks 1000 Liter

Ich habe mir zwei 1000 Liter IBC-Tanks besorgt. Welche Größe oder ob Du auch IBC Tanks nutzen möchtest, ist ganz und gar Dir überlassen. Ich habe sie gewählt, weil sie sehr stabil und gut zu verarbeiten sind.

Wichtig für später, bei diesen Tanks dringt das Sonnenlicht von allen umliegenden Seiten ein. Dies kann unter bestimmten Umständen ein Algenwachstum – welches Du auf gar keinen Fall in der Aquaponikanlage haben willst – beschleuningen. Des weiteren fühlen sich die Fische nicht wohl, wenn es um sie herum hell ist. In ihrem natürlichen Umfeld kommt die Sonne nur von oben und nicht von alles Seiten gleichzeitig. Daher empfehle ich, streicht den Fischtank schwarz an, oder besorg Dir gleich eine Schutzplane, z. B. eine solche hier, damit Du sicherstellen kannst, dass die Sonnenstrahlen nur von oben in den Fischtank gelangen können.

Solltest Du Deine Anlage etwas größer konzeptionieren, findest du hier Tankverbindungen, um die Fischtanks zu verbinden.

Jetzt geht die Arbeit los!

Nachdem die Tanks angekommen waren, wurden sie für ihre Bestimmung zurecht geschnitten. Dazu musste der Trennschleifer ran. Nachdem ich die Tanks aus ihrem Gestell geholt hatte, ging es daran, den Fischtank im oberen Bereich auszuschneiden. Es empfiehlt sich, vor Beginn die Schnittstellen mit einem Edding vorzuzeichnen. Dies hilft beim Trennschleifereinsatz und gibt ein deutlich saubereres Schnittbild.

Anschließend wurde der zweite Fischtank in zwei Beete zerschnitten. Hierbei ist darauf zu achten, dass man die beiden Außenseiten nutzt, da diese keine Vertiefungen haben wie das Ober- oder Unterteil bzw. den Ausfluss. Auch hier gilt, vorher die Beete mit einem Edding zu markieren. Hier gilt zu beachten, dass Du Dir vorher Gedanken machst, wie hoch der Wasserstand im Beet werden soll. Es empfiehlt sich mindestens 25 cm Wasserstandshöhe einzukalkulieren, damit die Pflanzenwurzeln später reichlich Platz haben und ihre Wurzeln im Granulat ausbilden können. Bei einer Wasserstandshöhe von ca. 25 cm, sollte das Granulat etwa 27 – 28 cm hoch gefüllt sein (die oberen 2 – 3 cm bleiben trocken und werden nicht geflutet!). Das Beet sollte somit eine Gesamttiefe von etwa 35 – 40 cm haben. Das Mittelstück, mit Abfluss und Zulaufschraubdeckel, kann anschließend entsorgt werden.

Nachdem dies erledigt war, ging es noch daran, den Gitterkorb zu zerflexen, um eine stabile Auflagefläche für die Beete zu erhalten. Diese ist absolut notwendig, da sich die Beete nach Befüllung ohne ein stabilisierendes Gestell stark verformen. Da an zwei Seiten leider die Verstrebungen nicht vorhanden sind, habe ich mir mit Holzlatten und Kabelbindern aus dem Baumarkt beholfen. Nachdem die scharfen Kanten abgeschliffen waren, sah die Aquaponikanlage im Anfangsstadium so aus:

Aquaponikanlage
Die Aquaponikanlage entsteht
Aquaponikanlage
Aquaponikanlage mit installiertem Swirl-Filter

Das Gewächshaus

Für meine erste Aquaponikanlage habe ich einen Folientunnel genutzt. Dies ist für Testzwecke ganz ok, ich rate jedoch zum Kauf eines Gewächshauses. Hier sollte nicht an der falschen Stelle gespart werden. Man ärgert sich nur, wenn die Folie oder der Reißverschluss kaputt geht und man dann notdürftig flicken muss.

7167gyy2rFL._SL1500_  Dies ist mein Gewächshaus in 3 x 2 x 2 Meter

Für Testzwecke ist es in Ordnung.

Einen nicht zu vernachlässigenden Vorteil bieten die semiprofessionellen und professionellen Gewächshäuser bei der Be- / Entlüftung. Dies ist gerade an heißen Tagen sehr wichtig, unsere Pflanzen sollen schließlich nicht verbrennen. Dies kann leider sehr schnell geschehen. Eine solche leidvolle Erfahrung gehörte zu meinem Lernprozess dazu.

Eine Übersicht mit allen möglichen Größen findest Du hier (klicke auf das jeweilige Bild):

Gewächshaus      5,85 m³

oder 7,6 m³                     Gewächshaus mit Fundament

Die meisten Gewächshäuser gibt es mit oder ohne Fundament.

71snEL9WT4L._SL1333_  18 m²

715LPzh4alL._SL1154_  18,6 m²

Bei den beiden letzten Gewächshäusern handelt es sich um die Profiversionen, für das große Projekt.

Pumpentank (Sump Tank) – von hier wird das System geflutet

Wie Du auf dem linken Bild meiner Aquaponikanlage erkennen kannst, ist dort (unten links) etwas im Erdreich verschwunden. Dies ist mein Pumpentank. Ich habe mich in der Planung dazu entschlossen, dass System mit so wenig wie möglich Pumpen zu betreiben, um Strom zu sparen. Der Standort war, wie schon beschrieben, nicht günstig genug, um ein Inselsystem (Solar-/Akkusystem) zu installieren, sodass ich an die normale Stromversorgung heran musste.

Wenn Du über einen sonnigen Standort verfügst und Deine Aquaponikanlage für mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte planst, könnte ein solches Inselsystem für Dich sehr interessant sein.

Im Erdreich befindet sich der Pumpentank. Wie schon erwähnt, war es mir wichtig nur eine Wasserpumpe zu nutzen. Also musste der Spaten ran, um ein etwa ein Meter tiefes Loch auszuheben, damit der Pumpentank darin verschwinden konnte. Als Pumpentank habe ich eine Regentonne aus dem Baumarkt genutzt. Achte beim Kauf unbedingt darauf, dass der Pumpentank groß genug dimensioniert ist, um etwas mehr als eines der Pflanzbeete fluten zu können. Bei meinem Beet musste, nach Befüllung mit dem Blähton, etwa 240 Liter Wasser in das obere Beet gepumpt werden. Während des Pumpvorgangs darf die Pumpe keinesfalls trocken laufen, da Du sonst nicht lange Freude daran haben wirst. Zudem ist so ein 300 Liter Wassertank schnell geleert. Also, achte unbedingt auf das passende Volumenverhältnis bei Deinem Projekt. Ich habe diese 300 Liter Regentonne genutzt.

Aquaponic System

Bei der nächsten Aquaponikanlage würde ich eher zu einer 400 Liter Tonne tendieren, ganz nach dem Grundsatz: „Besser haben, als brauchen!“. Aber hauptsächlich, weil mir die Pumpe einige Male trocken gelaufen ist. Als das System noch nicht richtig eingestellt war und die Pumpe den Pumpentank schneller leer gepumpt hat, als das gefilterte Wasser zurück laufen konnte. Aber das Problem war schnell gelöst, mehr dazu beim Thema Bachlaufpumpe.

Positionierung des Pumpentanks

Aber warum muss die Regentonne überhaupt ins Erdreich? Ganz simpel, ich nutze nur eine Wasserpumpe in der Aquaponikanlage. Das heißt im Umkehrschluss, das Wasser, das den Pumpentank verlassen hat, muss, ohne weitere elektronische Helfer, seinen Weg zurück in den Pumpentank finden. Daher nutze ich die Schwerkraft aus und pumpe das Wasser zum höchsten Punkt im System. In meinem System sogar zu den zwei höchsten Punkten. Aber auch dazu kommen wir später.

Der Wasserzulauf – Die Bachlaufpumpe

Nun benötigst Du eine leistungsstarke und im Optimalfall energiesparende Bachlaufpumpe. In meinem System habe ich folgendes Modell von Jebao genutzt:

Aquaponic SystemWeitere positive Erfahrungen haben andere mit der Bachlaufpumpe von Pontec gemacht.

Letztlich ist es egal, für welche Art der Bachlaufpumpe Du Dich entscheidest. Es gilt nur zu beachten, dass die nötige Steighöhe vom Grund des Pumpentanks bis zum höchsten Punkt in Deinem System erreicht wird. Sprich, die Steighöhe sollte nicht weniger als 2,5 Meter betragen. Meine Pumpe war nicht zu hören, was mir wichtig war, denn meine Nachbarn wohnten in unmittelbarer Nähe der Aquaponikanlage. Eine Störung, vor allem zur Nachtzeit, galt es da unbedingt zu vermeiden. Mit dieser Pumpe war dies kein Problem.

Möglich wäre hier auch, eine solarbetriebene Pumpe einzusetzen. Dies wäre eine noch bessere Möglichkeit, das System ohne eine fest installierte Stromversorgung zu betreiben. Hier besteht die Möglichkeit, die Pumpe auch ohne direkte Sonneneinstrahlung, zum Beispiel bei starker Bewölkung oder des nachts, zu betreiben. Das Inselsystem macht es möglich und hilft uns, unsere Aquaponikanlage auch weit entfernt von Stromquellen zu betreiben.

Der Wasserzulauf – Das Schlauchsystem

Nun fehlten mir noch die passenden Schläuche. Ich habe mich für das sehr stabile 1″ Modell entschieden:

Aquaponic SystemDieser Schlauch ließ sich problemlos zurechtschneiden und mit Hilfe von Schlauchschellen Aquaponic System fixieren.

Wie Du Dich erinnerst, wurde mein Wasser zu den zwei höchsten Punkten in der Anlage gepumt. Nämlich zum 1. höchsten Beet und 2. zurück zum Fischtank. Um dies mit nur einer Pumpe zu schaffen, habe ich dieses Verteilerstück in mein Wasserzulaufsystem, kurz nachdem es den Pumpentank verlässt, installiert.

Aquaponic SystemHinweis: Versuche es gut erreichbar zu installieren, Du wirst später immer wieder leichte Änderungen an den Wasserdurchlaufeinstellungen vornehmen müssen, bis Du den idealen Durchfluss für den Pumpzyklus eingestellt hast. Eine gute Erreichbarkeit des Verteilers ist dabei durch nichts zu ersetzen.

Nun kannst Du die Schläuche mit Hilfe der Schlauchschellen befestigen. Damit wäre der Wasserzulauf fertig installiert.

Der Wasserrücklauf

Das Glockensifon für die Aquaponikanlage, oder englisch Bell Siphon, war eine ordentliche Herausforderung für mich. Bis ich hier eine brauchbare und leicht verständliche Bauanleitung gefunden hatte, vergingen mehrere Wochen der YouTube Recherche. Doch dann wurde ich endlich fündig und konnte die hier gewonnenen Informationen auf meinen Anlagenbau übertragen.

Vielen Dank an dieser Stelle an Mr. Affnan für diese tollen und leicht verständlichen Videos.

In diesem Video siehst Du die Bauanleitung für das Glockensifon. Ich persönlich habe Rohre kleineren Durchmessers genommen. Meine Wasserabflussrohre hatten einen Durchmesser von 3/4 Zoll.

Wenn Du Dich jetzt fragen solltest, 1 Zoll Wasserzulauf, 3/4 Zoll Wasserablauf – ist das nicht etwas zu klein? Klare Antwort: Nein. Das Glockensifon entwickelt einen guten Sog und zieht das Wasser mit genügend (Unter-)Druck aus dem Beet, dass es ohne Probleme etwas kleiner dimensioniert werden kann.

Damit Du verstehst, wie das Glockensifon prinzipiell funktioniert, schau dir diese Videos an.

Die Funktionsweise eines Glockensifon im Querschnitt

Der Bau des Glockensifons hat mich sehr häufig in den Baumarkt und in das Aquaristikfachgeschäft geführt. Ich empfehle nur, rechne großzügig, bevor Du einkaufen gehst oder Dir die notwendigen PVC Rohre bestellst. Es ist richtig nervig, wenn Dir nur wenige Zentimeter Rohr fehlen oder ein bestimmtes Winkel- oder T-Stück fehlt und Du nur deswegen nicht weiter kommst und das Aquaponik-Projekt aus diesem Grund für mehrere Tage ruhen muss.

Eine Übersicht über die wichtigsten Teile für Dein Glockensifon findest Du hier:

PVC DruckrohrAquaponic

PVC Winkel 90°

Aquaponic

Tankdurchführung

Aquaponic

Ganz wichtig! Bedenke bitte beim Kauf der Rohre, dass die Tankdurchführung eine Nummer GRÖßER sein sollte, als das normale Rohrsystem. Ebenso die Winkel- oder T-Stücke. Ansonsten wären spezielle Rohrverbindungen nötig, die nur unnötig mehr Geld kosten. So können die Rohre mit einer Rohrschere oder einer feinen Eisensäge zugeschnitten werden. Danach die Schnittstellen gut mit Schleifpapier abschleifen und nach dem Testzusammenstecken die Rohre gut mit PVC Kleber verkleben.

Es empfiehlt sich, die Rohrstücke, welche verbunden werden sollen, vor dem Verkleben:

Aquaponic

mit dem Reiniungsmittel

Aquaponic

zu bearbeiten. Dadurch stellst Du sicher, dass die zu verbindenden Flächen optimal miteinander verbunden werden und sie sich luftdicht verbinden. Denn dies ist das so ziemlich wichtigste am Glockensifon. Wenn in Deinem Rohrsystem auch nur eine kleine Stelle Luft zieht, ist der ganze Sogeffekt dahin.

Nach dem Verkleben ist es wichtig, die Rohre mindestens 24 Stunden liegen zu lassen, bevor sie weiterverarbeitet werden. So kann der Kleber aushärten und die Rohre sind fest miteinander verbunden.

Nach dem Verkleben

Als nächstes machst Du Dich daran, die Bohrungen für die Glockensifons zu setzen. Diese sind notwendig, um die Tankdurchführungen zu installieren. Hierzu hat sich bei meiner Aquaponikanlage ein sogenannter Forstnerbohrer bewährt.

Vor dem Bohren beachte bitte die Lage des Gittergestells, damit die Tankdurchführung auch problemlos durch das Gitter geführt werden kann. Ich habe noch Holzbretter zwischen Gittergestell und Beet gelegt, da bei Befüllung kleine Instabilitäten auftraten und sich, in den Freiräumen des Gittergestells, das Beet leicht durchbog.

Du bohrst idealerweise mittig im Beet ein Loch für die Tankdurchführung. Achte hier auf die Größe des durchzuführenden Gewindes. Das Loch darf auf gar keinen Fall größer sein. Solltest Du, wie ich es auch tat, Bretter zur besseren Stabilisierung unter das Beet legen, schneide hier ein etwa 10 x 10 cm großes Quadrat für die Durchführung des Glockensifon aus, damit Du später einfacher die Teile für das Sifon montieren kannst. Kleiner wird zu fummelig, größer hättest Du das Problem der Instabilitäten nicht gelöst.

Du solltest die Bohrung auch unbedingt mittig in das Beet setzen, damit Du später auch das Überrohr, welches das Glockensifon vor dem Eindringen von Granulat und damit vor dem Verstopfen schützt, besser montieren kannst. Ich verwendete den sogenannten Blähton als Granulat. Dieser ist leichter als Wasser und hat dadurch die Eigenschaft, bei steigendem Wasserspiegel, ebenfalls mit aufzusteigen. Wenn nun das Überrohr mitsteigt, dringt Granulat in das Glockensifon ein und verstopft die Verrohrung – der Super-GAU, den es unbedingt zu vermeiden gilt.

Granulat: verschiedene Pflanzgranulate die im System verwendet werden können

Das Granulat ist ein wichter Bestandteil der Aquaponikanlage. Es gibt verschiedene Arten von Granulattypen, die in dem System verwendet werden können. Hier gilt es jedoch, verschiedene Faktoren zu beachten:

Die Größe des Granulats

Es ist wichtig, dass die Größe des gewählten Granulats zwischen 8mm und 16mm liegt. Sollte die Größe stark abweichen, kann dies zu verschiedenen Problemen führen. Wenn das Granulat deutlich kleiner ist, ist zu wenig Raum zwischen den einzelenen Partikeln. Dies erschwert das Wachstum der Pflanzen und die Sauerstoffversorgung der Bakterien (des Biofilm), die sich im Granulat ansiedeln. Wenn das Granulat deutlich größer ist, reduziert sich die bepflanzbare Fläche. Zudem wird der Pflanzvorgang selbst schwieriger.

Verwendbares Granulat

In meiner Aquaponikanlage habe ich den sogenannten Blähton verwendet. Dieser ist sehr leicht und pH-neutral. Er kann in großen 50 Liter Säcken in einem Baumarkt mit Gartenabteilung gekauft oder auch bestellt werden.  Vor der Befüllung des Beetes, sollte der Ton gut gewaschen werden. So stellst Du sicher, dass keine Schmutzpartikel im Aquaponiksystem zirkulieren. Für mein aus zwei Beeten bestehendes System habe ich sechzehn 50 Liter Säcke an Blähton benötigt.

Weitere verwendbare Medien wären Lavamulch oder gebrochene Steine. Bei den gebrochenen Steinen kann es unter umständen vorkommen, dass bestimmte örtlich vorkommende Gesteinstypen einen höheren pH-Wert haben. Dies kann zu Problemen bei der Wasserqualität und dem damit verbundenen Bakterienwachstum im System führen.

Wie kann ich testen, ob mein Granulat pH-neutral ist?

Ganz einfach: Nimm einen Krug, fülle etwas Haushaltsessig hinein und gib eine Hand voll des Gesteins hinein. Wenn sich Bläschen an den Steinen bilden, dann ist dies ein Hinweis auf einen zu hohen pH-Wert . In diesem Fall solltest Du ein anderes gebrochenes Gestein wählen.

Kosten der einzelnen Pflanzmedien

Am einfachsten zu verarbeiten aber auch das teuereste Medium ist der Blähton. Gefolgt vom Lavamulch und den gebrochenen Steinen. Letztere sind aufgrund ihres Gewichtes am schwersten zu verarbeiten. Es besteht auch die Möglichkeit, eine Kombination aus den Pflanzmedien zu wählen. Damit kann der Geldbeutel geschont werden und ein einfaches Bepflanzen des System sichergestellt werden. Befülle das Beet bis etwa zur Hälfte mit gebrochenen Steinen und fülle darüber den Lavamulch oder Blähton.

Blähton

 

 

 

 

Blähton (hier zum günstigen Preis bestellen und liefern lassen)

Granulat Lavamulch

 

 

 

 

Lavamulch 1000 Liter (hier zum güstigen Preis bestellen und liefern lassen)

 

Bitte mach mir nicht die Fehler nach!

Wenn Du ungefähr 2/3 des Granulats aus dem trocken gelegten System herausschaufeln musst, um wieder einigermaßen gut an das Sifon zu gelangen. Überzeuge Dich vor dem Befüllen des Tanks, dass das Schutzrohr des Glockensifons fest mit dem Beetboden verklebt ist.

Ich habe das Überrohr mit einer Heißklebepistole am Beetboden festgeklebt. Zuvor war es wichtig, dass die betreffende Stelle absolut trocken ist. Bitte nicht mit Heißkleber sparen, das Rohr muss ordentlich befestigt werden. Nach dem Trocknen des Klebers bitte unbedingt überprüfen, ob es auch richtig fest ist.

Bevor Du das Beet mit dem Granulat befüllst, muss das Granulat erstmal richtig gereinigt werden. Beim Blähton dauerte es eine Weile, bis es nicht mehr das Wasser verfärbte. Egal für welches Granulat Du Dich entscheiden solltest, es muss sauber sein. Du willst schließlich keine Schmutzpartikel in deiner Aquaponikanlage haben. Damit kannst Du Dir ordenlich die Wasserqualität verhageln.

Aquaponikanlage

Der Swirl Filter – Ein Wasserfilter mit eingebautem Wassersauger – genial!

Nun widmest Du Dich dem Swirl Filter. Dieser wird idealerweise neben dem Fischtank und über dem Pumpentank aufgestellt. Natürlich nur, wenn Du die Anlage so konzipierst wie ich. Du benötigst ein Rohr mit mindestens doppelt so großem Durchmesser, wie der Wasserzulauf. Sonst kann es passieren (so wie bei meinem ersten Versuch), dass bei einem nur 300 Liter fassendem Pumpentank, das in den Fischtank zurückgepumpte Wasser nicht schnell genug über den Swirl Filter zurück läuft. Als Folge sinkt die Pumpleistung und wenn es ganz schlimm kommt, läuft die Pumpe trocken, da der Wasserspiegel zu niedrig geworden ist.

Ein weiterer positiver Effekt an einem größeren Rohrdurchmesser ist, dass durch die erhöhte Durchfluss- oder Rückflussgeschwindigkeit der Swirl Effekt hervorragend einsetzt und das rücklaufende Wasser im Filter perfekt in Rotation versetzt wird. Dies ist so wichtig, damit das mittig im Filter angebrachte Fallrohr, welches zurück in den Pumpentank fürt, nur sauberes Wasser ohne Fischkot oder Futterreste zurück in den Kreislauf führt. Sollten diese in das Beet gelangen, dürfte alsbald eine Reinigung des ersten Beetes anstehen, was wir unbedingt vermeiden wollen.

Beachte:

Für meinen Swirlfilter nutze ich einen Maurerkübel. Diesen würde ich jedoch nicht wieder verwenden. Das Material ist einfach zu weich. Es bietet sich hier eher ein Fass an.

Am Fischtank musste am höchsten Punkt des Wasserstandes ein neues Loch gebohrt werden. Hier wurde die groß genug konzeptionierte Tankdurchführung eingesetzt. Versuche bei Deinem Fischtank das Loch unterhalb der Tankwölbung zu setzten. Ich lag einige wenige Millimeter zu hoch, wodurch die Tankdurchführung beim Verschrauben nicht richtig abdichtete. Da musste die Heißklebepistole wieder ran, um die undichte Stelle verschließen.

An die Tankdurchführung habe ich ein langes PVC Rohr gesteckt, welches etwa knapp bis zur Mitte des Swirl Filter reichte. Hier wird ein 90° Winkel nach unten gesetzt. Ein weiteres PVC Rohr wird nun bis unter den oberen Rand des Maurerkübel geführt. Hieran wird ein T-Stück befestigt. An diesem T-Stück kommen jeweils beidseitig ein weiteres kurzes gerades PVC Rohr und ein 90° Winkel. Die 90° Winkel müssen entgegen gesetzt gesteckt werden, damit das ausfließende Wasser entweder entgegen oder mit dem Uhrzeigersinn einläuft. Es besteht auch die Möglichkeit, ein einfachen Zufluss an einer Seite des Swirlfilters zu setzen. Wichtig ist nur, dass das Wasser so einfließt, dass es rotiert, sich die Schwebeteilchen absetzen können und nicht über das mittig installierte Fallrohr über den Pumpentank zurück ins System gelangen.

Wichtig:

Nachdem die Materialien passend zusammengesteckt worden sind, kommt wieder eine Klebeaktion. Danach wieder 24 Stunden aushärten lassen und es kann weiter gehen.

Bevor Du jedoch den Zulauf zum Swirl Filter montierst, kommt noch der Ablauf in den Kübelboden. Dazu kommt wieder der Forstnerbohrer zum Einsatz. Es ist letztlich Dir überlassen, wie genau Du den Rücklauf installierst. Ich habe den Maurerkübel auf einem hölzernen Podest platziert. Durch den Holzboden musste ich wieder ein etwas breiteres Loch bohren, um die Tankdurchführung zu dem Pumpentank zu montieren. Da ich den Pumpentank im Erdreich versenkt und einen hölzernen Tritt darüber gebaut hatte – Du kannst es Dir sicherlich schon denken – musste auch hier erneut ein Loch für das Fallrohr hinein. Damit war der Swirl Filter fast fertig.

Nur fast? Ja! Denn es fehlt noch der Wassersauger. Dafür war ein neues Loch im Tankboden oder auch alternativ im unteren Bereich der Tankwand erforderlich. Dort installierst Du eine weitere Tankdurchführung. Im Inneren des Swirl Filter befestigst Du einen Schlauch, an dem Du einen langen Stock mit einer Schlauchschelle befestigst. Damit hast Du einen Griff mit dem Du zum einen den Schlauch an dem Fassrand des Swirl Filter einhängen kannst und zum anderen den Saugvorgang vollführen kannst, ohne Nasse Hände zu bekommen.

An der Außenseite des Swirl Filter befestigst Du einen Ablaufhahn, womit der Swirl Filter mit Schmutzwassersauger komplett ist.

Bei 2:23 min sieht man den Swirl Filter

Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen

Da sich im Swirl Filter mit der Zeit eine Menge Schmutzpartikel sammeln, baute ich eine weitere Tankdurchführung in den Filter ein. An dieser wurde ein Schlauch befestigt und am Auslauf ein verschließbarer Hahn. So hatte ich die Möglichkeit mittels dieses „Wassersaugers“ die Schmutzpartikel herauszusaugen und in einem Eimer oder einer Gießkanne aufzufangen. Dieses nährstoffreiche Wasser ist hervorragender Dünger für alle Nutz- oder Zimmerpflanzen außerhalb der Aquaponikanlage. Die entnommene Wassermenge kann anschließend mit Regenwasser aufgefüllt werden.

Literaturhinweis:

aquaponicsAquaponics – How to Do Everything by David H. Dudley

AquaponikanlagebauenAquaponic im Eigenbau von Thomas Rücker

Aquaponikanlagebauen.deAquaponic Gardening by Sylvia Bernstein